Automatisierung
Mit Bildung fit für die Zukunft!

Hanna Theuer

Erfindungen haben Konsequenzen. Und ihre Erfinder ahnen zum Zeitpunkt der Entwicklung gar nichts davon. Edmond Cartwright ist der Erfinder des vollmechanischen Webstuhls und James Watt hat die Dampfmaschine entscheidend weiterentwickelt. Ihre Neuerungen waren der Beginn einer mehrere Jahrhunderte andauernden Industrialisierung der Fabrik, die – glaubt man einigen Skeptikern – die menschenleere Fabrik zur Folge haben wird. Eine andere Haltung dazu ist, zwar eine weitreichende Veränderung der Arbeitswelt durch die Automatisierung zu erwarten, aber den Menschen weiterhin als festen Bestandteil der Fabrik zu sehen.

In der Fabrik kommt der Industrierobotik eine besondere Bedeutung zu. Ihr Ursprung liegt in der Reaktortechnik, wo – zum Schutz des Menschen – handgesteuerte Manipulatoren entwickelt wurden, die Arbeiten in radioaktiv gefährdeten Räumen durchführten. Der klassische Industrieroboter wurde 1954 von George Devol erfunden, der in den USA ein Patent für einen programmierbaren Manipulator einreichte. Nur wenige Jahre später gab es den ersten kommerziell verfügbaren Roboter, der dann auch schnell in der Praxis Einzug fand.
Viele Jahre lang wurden Antrieb, Steuerung und Mechanik weiterentwickelt. So konnten Roboter immer präziser arbeiten und gleichzeitig auch immer größere Lasten tragen. Die Automobilindustrie nimmt bei ihrer Anwendungen eine Vorreiterrolle ein. Die Roboterdichte (Anzahl der Roboter auf 10.000 Mitarbeitende) betrug 2015 in dieser Branche in Deutschland 1147 und damit knapp sieben mal mehr als in anderen Branchen [1].
Während „klassiche“ Industrieroboter autark vom Menschen programmierte Aufgaben übernehmen und nur wenige Prozessschnittstellen miteinander haben, ist in den letzten Jahren die (Weiter-)Entwicklung von kooperativen Robotern (Cobots - collaborative robots) vorangetrieben worden. Schätzungen zufolge wird es in wenigen Jahren einen größeren Markt für die Cobots geben als für herkömmliche Industrieroboter. Diese neuen Roboter werden nicht durch Schutzeinrichtungen vom Menschen getrennt. Eine direkte Zusammenarbeit wird möglich. Das eröffnet ganz neue Aufgabengebiete: Es geht nicht mehr nur um die pure Kraft, sondern auch um Fertigkeiten, die Fingerspitzengefühl voraussetzen. Diese neue Form der Roboter kann nun wieder vermehrt Arbeitsplätze ersetzen. Besonders gefährdet sind dabei Routine-Aufgaben mit hoher Regelmäßigkeit – nicht nur in der Fabrik, sondern auch in anderen Berufen.
Eine Studie des Britischen Office of National Statistics (ONS) zeigt, dass bei weniger anspruchsvollen Berufen (beispielsweise Kellner, Regalfüller, Gärtner) das Risiko durch einen Roboter ersetzt zu werden bei über 70 Prozent liegt, bei höher Qualifizierten ist es hingegen wesentlich geringer [2].
Die OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) sieht in Deutschland bis zu 18,4 Prozent der Arbeitsplätze durch eine Automatisierung gefährdet, der weltweite Durchschnitt liegt bei 14 Prozent. Die Empfelung: lebenslange Erwachsenenbildung, sowohl von Hoch- als auch von Geringqualifizierten [3]. Automatisierung nimmt aber nicht nur Arbeitsplätze weg. Aufgrund des Robotereinsatzes sanken die Produktionskosten in den Industrieländern teilweise so stark, dass Unternehmen die Fertigung bestimmter Waren aus Schwellenländern, in denen die Herstellung bisher günstiger war, wieder zurück ins eigene Land holten. Was für die Industrienationen von Vorteil ist, ist für die Schwellenländer existenziell, da hier viele Geringqualifizierte ihre Arbeit verlieren. Dabei sind Frauen besonders stark betroffen. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ermittelte einen durch Automatisierung verursachte Beschäftigungsrückgang von 0,5 Prozent in Industrieländern und 14 Prozent in Schwellenländern. Es ist also unbedingt notwendig, dass auch hier Bildungsmaßnahmen initiiert werden, um langfristige Chancen und Perspektiven zu schaffen.

Literatur:

1] IFR, und VDMA: „Wichtigste Länder weltweit nach Roboterdichte in der Automobilindustrie und sonstiger Industrien im Jahr 2015 (Anzahl der Roboter pro 10.000 Mitarbeiter).“ Chart. 26. September, 2016. Statista. Zugegriffen am 13. Oktober 2019. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/369526/umfrage/roboterdic...
[2] ONS: Which occupations are at highest risk of being automated? 25 March 2019. Zugegriffen am 13.10.2019. https://www.ons.gov.uk/employmentandlabourmarket/peopleinwork/employment...
[3] OECD: DIE ZUKUNFT DER ARBEIT – OECD-Beschäftigungsausblick 2019. http://www.oecd.org/employment/Employment-Outlook-2019-Highlight-DE.pdf