Qualitätsmanagement-Systeme

Hanna Teuer

Während sich die Funktionalität und das Aussehen vieler international verfügbarer Produkte immer weiter annähert, wird die Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung zu einem wichtigen Unterscheidungs- und Entscheidungskriterium. Insbesondere bei hochwertigen und kostenintensiven Produkten gilt es daher, das Produkt und seinen Herstellungsprozess so zu gestalten, dass die definierten Anforderungen erfüllt werden können. Dabei zählt, die gesamte Wertschöpfungskette zu betrachten. Qualitätsmanagement-Systeme können helfen, diese Qualitätsziele zu erreichen.

Das Forschungs- und Anwendungszentrum Industrie 4.0 an der Universität Potsdam führte einen Marktüberblick zum Thema „Qualitätsmanagement-Systeme“ durch. Die Umfrage richtete sich dabei gezielt an Anwender im deutschsprachigen Raum. Insgesamt sind Antworten zu elf Lösungen eingegangen. Die Ergebnisse werden nachfolgend in Form einer qualitativen sowie quantitativen Auswertung der Schwerpunktbereiche zusammengefasst.


Qualitätsdatenerfassung 

Die Unternehmen wurden gebeten, aus 18 festgelegten  Funktionen und Modulen diejenigen anzugeben, die in ihrem System verfügbar sind. Alle Systeme haben gemeinsam, dass Qualitätsdaten erfasst werden können; ein Berichtswesen existiert bei zehn von elf teilnehmenden Systemen, die Prüfplanung und das Qualitäts- und Anlagenmonitoring ist Bestandteil in jeweils neun Lösungen. Mit jeweils fünf Nennungen sind das Compliance Management, die Projektverfolgung, ein integriertes Projektmanagement sowie das Total Quality Management die Funktionen, die am seltensten genannt wurden. 

Hinsichtlich der Erfassung der Qualitätsdaten wurde nach den vorhandenen Möglichkeiten gefragt. Neben dem automatischen Messen mittels integrierter Messgeräte sowie der automatischen Übernahme ins System standen hier auch das manuelle Messen mit automatischer Übernahme sowie die manuelle Eingabe von Qualitätsdaten über ein Betriebsdatenerfassung-Terminal zu Auswahl. Neun der elf Systeme bieten alle drei Varianten an, wodurch eine hohe Flexibilität innerhalb des Prozesses und der notwendigen Datenerhebung gewährleistet wird. Die unter den teilnehmenden Systemen meist verbreitete Schnittstelle zur Anbindung der Messgeräte ist Ethernet (acht Nennungen), gefolgt von USB und LAN (jeweils sieben Nennungen) und seriellen Schnittstellen (sechs Nennungen). 


Auswertungsmöglichkeiten

Ein Kernaspekt von Qualitätsmanagement-Systemen ist die Datenauswertung. Dabei nehmen statistische Versuchsmethoden und graphische Auswertungen eine bedeutende Rolle ein. Bei ersteren ist insbesondere die Prozessfähigkeitsanalyse und die statistische Prozess-
analyse bei den Systemen verbreitet, bei den graphischen Auswertungsmöglichkeiten wurden Qualitätsregelkarten, Histogramme und Paretodiagramme am häufigsten genannt. 


Qualitätsmanagement und Industrie 4.0

Die Vernetzung aller Einheiten, die am Produktionsprozess beteiligt sind, bietet auch für das Qualitätsmanagement neue Möglichkeiten. Dies wird entweder durch die Integration der CAQ-Software in verschiedene IT-Umgebungen für einen bidirektionalen Datenaustausch oder durch die Möglichkeit des Onlinezugriffes auf das CAQ-System durch die Verantwortlichen realisiert. Zusätzliche Vorteile ergeben sich durch die Erweiterung der Datenbasis und darauf basierenden Auswertungen intelligenter Verfahren zur Überwachung und Analyse der Qualitätsdaten sowie der hohen Geschwindigkeit, in der die Daten aufgenommen und ausgewertet werden können. Quasi in Echtzeit können so Abweichungen ermittelt und notwendige Gegenmaßnahmen initiiert werden; die Gefahr, dass Fehler entstehen oder sich weiter ausbreiten kann so reduziert werden. 


Eskalationsmanagement

Für den Fall, dass doch einmal Qualitätsfehler auftreten, können in vielen Systemen Workflows definiert werden, in denen Verantwortliche beispielsweise per SMS oder E-Mail sofort informiert werden oder es werden zuvor festgelegte Maßnahmen eingeleitet. Auf diese Weise kann zeitnah reagiert und die Anzahl der fehlerhaften Produkte reduziert werden. Manche Systeme können zudem direkte Lieferanten-
reklamationen ausgelösen. Wichtig kann zudem eine lückenlose Dokumentation sein.


Einbindung von Lieferanten und Kunden

Für ein durchgängiges Qualitätsmanagement ist es notwendig, Kunden und Lieferanten einzubinden. Der Kunde integriert das hergestellte Produkt in sein eigenes oder nutzt es in seinem Prozess, der Endkunde nutzt das Produkt. Die Auswertung der Leistungen der Lieferanten dient als eine wesentliche Grundlage für die Generierung von Kennwerten, wobei hier zwischen Hard- und Soft-Facts unterschieden werden kann. Zu den Hard-Facts gehören direkt messbare Kennwerte wie die Liefertermintreue und Fehlerquote, Soft-Facts können beispielsweise die Innovationsfähigkeit oder die Technologieposition des Lieferanten sein. Durch eine individuelle Zusammenstellung und Gewichtung der Kennwerte in einem Regelwerk, können Lieferantenkennzahlen ermittelt und ein Lieferanten-Ranking bestimmt werden. Web-Portale ermöglichen den Lieferanten einen leichten Abruf ihrer Informationen. Eine Grundlage des Reklamationsmanagements sind Auswertungen, welche auf einer durchgängigen Datenbasis beruhen und eine transparente Rückverfolgung ermöglichen. Neben der Aufdeckung von Fehlerursachen werden die Reklamationen von einigen Systemen zusätzlich als Basis für Prozessverbesserungen verwendet. 

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Auszug aus der Marktübersicht

Schlüsselwörter:

Qualität, Qualitätsmanagement, Marktüberblick, Six Sigma, Problemlösungsprozess, Lieferantenbewertung, Reklamationsmangement