Win Win für beide Seiten

Helmut Schmid

Die allgemeine Akzeptanz jeder technischen Neuerung braucht bekanntlich Zeit. Was seinerzeit schon für das Automobil galt, gilt auch heute in der Automation – so zum Beispiel im Bereich Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK). Der neue Trend in der Industrie, bei dem Arbeiter und Roboter auf Tuchfühlung gehen und im Idealfall ganz ohne Schutzumhausung Hand in Hand zusammenarbeiten, ist zurzeit in aller Munde. Doch so viel auch darüber berichtet und diskutiert wird: Angekommen und flächendeckend akzeptiert im industriellen Alltag ist die MRK noch nicht. Nehmen Roboter Arbeitsplätze weg? Ist der Einsatz kollaborierender Roboter gefährlich? Ist die Implementierung nicht zu kosten- und zeitintensiv? Es lohnt sich, die Fragen genauer anzusehen. Die MRK birgt nämlich großes Potenzial und zahlreiche Chancen für beide – den Unternehmer wie auch den Mitarbeiter.

Warum Roboter immer notwendiger werden
Der Blick des Unternehmers ist stets in die Zukunft gerichtet. In Zeiten globaler Märkte steigen schließlich nicht zuletzt Wettbewerbs- und Preisdruck. Jede Investition – besonders in neue Technologien – soll daher nicht nur nützlich, sondern vor allem auch nachhaltig sein. Das rückt Automatisierungslösungen immer stärker in den Fokus von Unternehmern, denn in ihnen liegt für viele der Schlüssel, den Veränderungen und Herausforderungen der kommenden Jahre erfolgreich zu begegnen.
Um was es sich bei diesen Herausforderungen handelt, lässt sich schon heute am Beispiel der adidas Speedfactory sehr gut verdeutlichen: Darin werden Sportschuhe nach Bedarf und absolut individuell auf die Wünsche des Kunden zugeschnitten, produziert. In rund fünf Stunden kann mithilfe von Robotern ein maßgefertigter Schuh aus Garn, einigen Kunststoffkügelchen und einem Paar Schnürsenkel entstehen. Aktuell dauert dessen Produktion von der Bestellung bis zur Auslieferung circa drei Monate. Bereits in diesem Jahr hat zudem die Serienfertigung in der ersten Speedfactory in Deutschland begonnen. Besonders komplexere Schuhe wie Laufschuhe sollen dort künftig gefertigt werden. Die Speedfactory trägt somit nicht nur dem Konsumtrend „weg von der grauen Massenware“ und der steigenden Nachfrage nach individuellen Produkten Zeugnis. Sie ist gleichermaßen Statement für die lokale Fertigung am eigenen Standort, also Ausdruck der Überzeugung des Unternehmens adidas, dass „daheim“ in Deutschland bessere Qualität produziert werden kann als in Fernost.
Produktion 4.0 – zurück zu

Individualität und Qualität
Dieses Beispiel vereint genau jene Aspekte in sich, die sich auf beinahe alle Branchen, Unternehmensgrößen und Produktionen übertragen lassen: Die Produktvielfalt steigt, die Produktzyklen nehmen ab. Angesichts dieser Konsumflut nimmt aber die Nachfrage der Konsumenten nach individuellen, hochwertigen und nachhaltigen Produkten, die sich von der Masse absetzen, wieder zu. Doch solch variierende Kundenwünsche verlangen produzierenden Unternehmen einiges ab, wenn sie wirtschaftlich agieren wollen.
Für Hersteller bedeutet diese Tendenz in erster Linie folgendes: immer kleinere Produktionsvolumina bis hinunter zur Losgröße 1 bei immer größerer Variantenvielfalt. Fügt man dieser Gleichung nun noch kürzere Lieferzeiten und den Anspruch höchster Termintreue hinzu, nimmt die Komplexität dieses Trends aus Fertigungssicht noch weiter zu. Hohe Flexibilität und eine schnelle Anpassungsfähigkeit innerhalb der Prozesse sind daher gefordert. Die MRK ist der passende Lösungsansatz, um diesen Herausforderungen erfolgreich begegnen zu können.

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